



Ruanda wird aufgrund seiner gebirgigen Landschaft gern das „Land der tausend Hügel“ genannt und liegt etwa 1.500 m hoch. Seine Vulkanberge im Norden erreichen eine Höhe von 4.519 m. Wegen der Hochlage ist das Klima trotz der Nähe zum Äquator sehr mild.
Ruanda ist das am dichtesten besiedelte Land Afrikas, aber sehr arm. 90% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die gerade genug für den Eigenbedarf abwirft.
Viele Jahre wurde das Land von einer feudalen Tutsi-Monarchie regiert, die auch während der deutschen Kolonialzeit im 18. und 19. Jahrhundert und während der belgischen Mandatszeit (1916 bis 1962) weiter bestand. Der Volksstamm der Hutu beendete die Tutsi-Regierung mit einer Revolte im Jahr 1959, wobei viele Tutsis getötet oder ins Exil getrieben wurden. Am 1. Juli 1962 wurde Ruanda unabhängige Präsidialrepublik unter Führung eines Hutu.
1990 begannen die im Exil lebenden Tutsi-Nachkommen, die sich zur Ruandischen Patriotischen Front (FPR) zusammengeschlossen hatten, mit einer Invasion von Uganda aus einen blutigen Bürgerkrieg, der Tausende von Toten und Obdachlosigkeit für viele tausend Menschen zur Folge hatte. Vier Jahre später kam es zu dem von der Hutu-Militärregierung geplanten Völkermord, bei dem allein in den ersten 100 Tagen 800.000 Tutsi wie auch ca. 50.000 moderate Hutu getötet wurden. Die Tutsi-Heere gewannen jedoch die Kontrolle zurück, und mehr als eine Million Hutu wurden von den extremistischen Milizen zur Flucht in die Nachbarländer gezwungen. Vom Kongo und von Teilen Ruandas aus begannen die Hutu erneut mit Terror und Zerstörung unter den Tutsi. Seit dem Jahr 2000 steht mit Paul Kagame erstmals wieder ein Angehöriger der Tutsi-Minderheit an der Spitze des Landes.
Obwohl Ruanda mittlerweile erfolgreiche Bemühungen unternommen hat, um seine Wirtschaft wieder auf dem Niveau von vor 1994 zu stabilisieren, ist es weiterhin auf erhebliche Unterstützung aus dem Ausland angewiesen und wurde von der Weltbank als hoch verschuldetes Entwicklungsland eingestuft.
Der seit 2003 amtierende Präsident Paul Kagame gilt als unerbittlicher Reformer mit Visionen für sein Land. Er verfolgt den Kurs einer Entwicklungsdiktatur, eines zweifelhaften politischen Modells, das wirtschaftliche Entwicklung ohne politische Liberalisierung anstrebt. Sein Motto: Ruanda soll ein Vorzeigestaat werden und die Folgen des Völkermords hinter sich lassen.
Immer noch ist Ruanda mit der Aufarbeitung des Völkermords beschäftigt. Auch jetzt noch, 20 Jahre nach dem Genozid, werden Anstifter des Massenmords aufgespürt und an einem speziell dafür eingerichteten Tribunal verurteilt.
Im Zuge der Reformen haben sich besonders im Bausektor erste Erfolge eingestellt. Hotels, Straßen und Geschäftsgebäude entstehen im Eiltempo. Der Bauboom vollzieht sich aber nur in der Hauptstadt Kigali.
Das wirtschaftliche Wachstum geht auch auf Exporterlöse durch die Vermarktung von Coltan zurück, ein Mineral, das auf dem Weltmarkt sehr begehrt und zur Herstellung von Handys und Computer notwendig ist. Bei dem Handel mit Coltan ist unklar, wie viel davon aus dem benachbarten Kongo eingeschmuggelt wird und was legal und was illegal über Ruanda weiterverkauft wird. Der Kampf im Kongo um Coltan hat schon viele Tote gefordert.
Kagames strikte Regierungsführung macht sich auch negativ bemerkbar: Gemäß Amnesty International besteht ein sehr eingeschränktes Recht auf Meinungsfreiheit und die Zivilgesellschaft wie auch Medien werden von der Regierung engmaschig kontrolliert.
Trotz Fortschritt leben weiterhin über 60% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.